Am 3. September 2016 schaut Fußball-Deutschland auf die bayerische 2200-Einwohner-Gemeinde Reichersbeuern im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Der Fernsehsender Sky überträgt an diesem Samstagnachmittag ab 14 Uhr live und unverschlüsselt das "Spiel des Lebens" 2016 zwischen dem SC Reichersbeuern und dem SV Wackersberg-Arzbach. In einer kleinen Serie stellen wir die beiden sympathischen Amateurklubs vor und verraten, was die Zuschauer in der Dorfarena und vor den Fernsehgeräten erwartet.
Wer behauptet, der SV Wackersberg-Arzbach, Gegner des SC Reichersbeuern im "Sky Spiel des Lebens" am 3. September, sei ein Dorfverein, hat absolut Recht. Allerdings nur im positivsten Sinne. Denn Dorfverein heißt beim SV, dass sich die rund 3500 Einwohner zählende Gemeinde in allen Facetten im Verein wiederfindet.
Im Jahr 1967 wurde der Verein im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen gegründet und bietet seitdem allen Sportbegeisterten der Region eine immer weiter ausgebaute und modernisierte Heimat. Fußball spielte dabei natürlich immer eine zentrale Rolle, aber wer Lust auf Skifahren, Kegeln, Turnen, Sportschießen, Judo oder Gymnastik hat, stand und steht beim SV nicht vor verschlossener Tür - egal ob jung oder alt. Fast 1000 Mitglieder sorgen mittlerweile für ein pulsierendes Vereinsleben.
Vorliebe für Herausforderungen
"Bei uns steht der Zusammenhalt über allem"
Gemeinsam Großes schaffen - das war wohl schon das Motto der Gründungsmitglieder. Nur ein Jahr nachdem der Klub aus der Taufe gehoben wurde, stand das erste Großprojekt auf dem Plan: der Bau eines Sportheims inklusive Sporthalle in Eigenregie. Jeder packte mit an und weil das so gut klappte und das Gebäude nach nur zwei Jahren Bauzeit realisiert war, folgten in den Jahren 1971/72 ein Anbau für die Sportschützen, 1978 die Kegelbahn, 1990 nach einem Hochwasser die Renovierung des Fußballplatzes, 1992 der Bau des Schuppens am Vereinsgelände und 1996 der An- und Umbau der Umkleidekabinen der Fußballer.
Aus dem Großprojekt von damals ist ein Großprojekt von morgen geworden, denn die Gebäude sind in die Jahre gekommen und eine Sanierung wirtschaftlich nicht sinnvoll. Kurzerhand hat der Verein das Projekt Neubau ausgerufen. Bis 2018 soll eine Multifunktionshalle mit neuem Sportheim entstehen. Das Bauvolumen: 3,2 Millionen Euro - es ist das größte Projekt dieser Art in der gesamten Region. Rund 320.000 Euro Eigenmittel muss der Verein einbringen und rührt deshalb bei Mitgliedern, Sponsoren und möglichen Investoren die Werbetrommel. Mit dem Neubau hätte der Verein dann nicht nur ein weiteres Schmuckstück in die Landschaft gesetzt, sondern vor allem auch die Basis geschaffen, sich als Verein noch breiter und zukunftsfähig aufzustellen. Wenn alles glatt geht, wird das 50-jährige Vereinsjubiläum im kommenden Jahr im Rohbau gefeiert.
Highlights der Vereinshistorie
"Natürlich war der Bau des ersten Sportheims eine ganz große Sache für den Verein", erinnert sich Peter Willibald, 1. Vorstand des Vereins. "Mir persönlich ist aber auch der Aufstieg unserer Ersten Herrenmannschaft in die Bezirksliga Ende der 1990er in Erinnerung geblieben. Wir haben damals keinen einzigen Spieler in der Mannschaft gehabt, der Geld bekommen hat. Das war außergewöhnlich", so Willibald weiter. Aber auch die aktuellen Sportler des Vereins haben einiges vorzuweisen. Besonders hervorzuheben ist sicherlich Helmut Hanus. Der Mitgründer der Judo-Abteilung hat 2014 im spanischen Málaga den Senioren-Weltmeistertitel in der Kategorie bis 100kg errungen und damit seine Vize-Europameisterschaft zwei Monate zuvor noch getoppt.
Und auch die aktuellen Fußballer haben am Stammtisch einiges zu erzählen, wenn es um ihre Sportkarriere geht. Allerdings geht es dabei mehr um Ski- als um Stollenschuhe. Gleich mehrere Kicker rasten in der Montur der Jugend-Nationalmannschaften des Deutschen Skiverbandes die Berghänge hinunter, Torwart Klaus Ertl nahm sogar an der Jugend-Olympiade 2012 in Innsbruck teil.
Beim A-Klassisten SV Wackersberg-Arzbach hebt deswegen aber niemand ab, hier steht die Gemeinschaft im Vordergrund. "Das sind alles grundsolide und tolle Jungs", erklärt Trainer Klaus Heller. "Bei uns steht der Zusammenhalt über allem. Die meisten kennen sich schon aus der Kindheit, spielen seit vielen Jahren bei uns im Verein. Das ist herausragend", so Heller.
Segeln und Regattastrecke - Wacker ist alles zuzutrauen
Einen Exoten haben Sie dann doch in der Truppe: Stürmer Christoph Schwemer. Den Schnellrestaurant-Leiter hat es von Rostock ins Alpenvorland verschlagen. Beim SV Wackersberg-Arzbach würde es nicht wundern, wenn dies zum Anlass genommen wird, das an der Küste beliebte Segeln ins Vereinsprogramm aufzunehmen und eine große Regattastrecke zu baggern.
Vor Großprojekten ist dem Klub jedenfalls nicht bange. Oder doch? "Naja, wenn die Jungs dann am 3. September auf den Platz gehen, begleitet von den vielen Kameras und mit dem Wissen, dass das Spiel live im Fernsehen übertragen wird, da wird der eine oder andere schon nervös sein. Schließlich wird schon jetzt fast nur über das Spiel geredet", erklärt Heller.